GRÜNE sehen in Bornheim noch viel ungenutztes wirtschaftliches Potenzial

Bornheim wächst: Seit dem letzten Zensus im Jahr 2011 ist Bornheims Bevölkerung um rund vier Prozent gewachsen. Noch stärker nahm die Zahl der Arbeitsplätze zu: Sie ist im gleichen Zeitraum um mehr als ein Viertel gewachsen – weitaus stärker als die Bevölkerungsentwicklung. Und auch das inflationsbereinigte Gewerbesteueraufkommen stieg seitdem um rund 60 Prozent.

Doch schöpft Bornheim damit sein wirtschaftliches Potenzial voll aus? Im kürzlich veröffentlichten IW-Kommunalranking NRW liegt Bornheim auf Platz 220, beim Dynamik-Ranking für die Entwicklung der letzten drei bis fünf Jahre nur auf Platz 323 von 396. Deshalb fragen wir GRÜNE uns, ob und wie Flächen, Infrastruktur und die Qualifikation der Einwohner*innen ausreichend genutzt werden. Profitieren wir von der Nähe zu regionalen Hochschulstandorten, oder gehen wichtige Innovationen an unserer Wirtschaft vorbei?

Potenzial 1: Infrastruktur

Aus wirtschaftlicher Sicht verfügt Bornheim über eine recht gute Infrastruktur: Mit zwei Straßenbahnlinien, den beiden Regionalbahnhaltestellen und der Lage zwischen drei Autobahnen ist die Verkehrsanbindung für die Wirtschaft attraktiv. Die Nähe zu den beiden urbanen Zentren Bonn und Köln garantiert zudem potenzielle Absatzmärkte. Und mit dem kürzlich angestoßenen Glasfaseranbau wird Bornheim künftig die nötige IT-Infrastruktur haben, um fit für digital gestützte Geschäftsmodelle zu sein.

Aber: nutzt Bornheim diese Infrastruktur? Das Wachstum der Bornheimer Wirtschaft ist vor allem auf die Ausweisung neuer Gewerbegebiete zurückzuführen, nicht auf die Entwicklung zukunftsträchtiger, technologie- und wissensbasierter Geschäftsmodelle. Der Schwerpunkt der Bornheimer Wirtschaft liegt heute vor allem in den Bereichen Handel, Logistik, Handwerk und Landwirtschaft. Industriellen Mittelstand und digitale Dienstleister mit großem Innovationspotenzial findet man nur sehr wenige. Umso wichtiger ist es, die gute Infrastruktur wie beispielsweise die Glasfaseranbindung strategischer zu nutzen, um wirtschaftlichen Erfolg künftig aus Innovationen und nicht allein aus zusätzlichem Flächenverbrauch heraus zu generieren.

Potenzial 2: Gewerbeflächen

Die dynamische Entwicklung der Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren ist stark auf die Ausweisung neuer Gewerbegebiete zurückzuführen. In den neuen Gewerbegebieten in Bornheim Süd, Kardorf und Sechtem wurden bereits rund 130 Unternehmen angesiedelt. Diese Unternehmen beschäftigen zusammen 2400 Menschen und stellen damit rund ein Fünftel der Bornheimer Arbeitsplätze. Die Ausweisung neuer (Wohn- und) Gewerbegebiete schlägt sich in entsprechendem Flächenverbrauch nieder: vor 25 Jahren hatte die Siedlungs- und Verkehrsfläche noch einen Anteil von 18 % an Bornheims Flächen, 2018 waren es schon 25% – hauptsächlich zulasten von Ackerland.

Da Bornheim noch einige nutzbare Freiflächen hat, ist zu befürchten, dass sich die kommunale Wirtschaftspolitik auch künftig auf der Ausweisung und Vermarktung neuer Gewerbeflächen ausruht: Das gemeinsame Gewerbeflächenkonzept 2035 von Bonn und Rhein-Sieg-Kreis weist einen Gesamtbedarf an Gewerbe- und Industrieflächen von 684 ha aus. Diesem Bedarf stehen Flächenreserven von nur 338 ha gegenüber, davon 37 ha in Bornheim. Dies entspricht einem Anteil von 0,6 Prozent der Bornheimer Vegetationsfläche. Betrachtet man nur die Industrieflächen, kommt Bornheim eine weitaus stärkere Bedeutung zu: Hier stehen einem Bedarf von 269 ha in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis industriell nutzbare Flächenreserven von 41 ha gegenüber, davon 41% in Bornheim.

Für uns GRÜNE ist daher wichtig, das Potenzial der verbleibenden, für Gewerbeflächen nutzbaren Freiflächen möglichst sinnvoll und sparsam zu nutzen und die übrigen Freiflächen vor ausufernder Versiegelung zu schützen. Dafür setzen wir auf eine systematische, nachhaltige und zukunftssichere Stadtentwicklung mit definierten Zielen. Moderne Gewerbegebiete setzen stärker auf Unternehmen, die voneinander durch verzahnte Wertschöpfungsketten und Kompetenznetzwerke profitieren oder sich gegenseitig zu neuen Geschäftsideen anregen.

In den Bornheimer Gewerbegebieten findet sich eine Mischung aus Handel/ Logistik, Bauwirtschaft, KFZ- und anderen Dienstleistern. Dies stellt zwar eine solide Bandbreite dar, sorgt aber für keine Verzahnung zwischen den Unternehmen (siehe Abbildung). Wirtschaftliche Cluster oder wissensintensive Dienstleister, wie man sie zunehmend in modern ausgerichteten Gewerbegebieten findet, sind in Bornheim – wie auch im restlichen Rhein-Sieg-Kreis – nicht zu finden. Zwar berücksichtigt die Bornheimer Wirtschaftsförderungsgesellschaft bei der Flächenvergabe Faktoren wie die Anzahl der entstehenden Arbeitsplätze. Ein Gesamtkonzept für die Entwicklung der Gewerbegebiete, das auch Aspekte wie Innovationsprozesse und Synergien berücksichtigt, scheint es in Bornheim jedoch nicht zu geben. Für uns heißt das: Moderne Wirtschaftsförderung kann mehr!

Abbildung: Struktur der Unternehmen in den Gewerbegebieten Bornheim-Süd / Alfter-Nord, Kardorf, Sechtem, in Prozent

Quelle: Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Bornheim; eigene Kategorisierung

Potenzial 3: Kluge Köpfe

Zentral für die Entwicklung neuer Innovationen und Geschäftsmodelle sind kluge Köpfe. Auch hier hat Bornheim viel Potenzial: Knapp 17% der Einwohner*innen sind hochqualifiziert, mehr als im Kreis- und Landesdurchschnitt. Dennoch bietet die Bornheimer Wirtschaft vielen Einwohner*innen keinen geeigneten Arbeitsplatz: Über 80% der hier wohnhaften Erwerbstätigen pendeln in andere Gemeinden, lediglich 10% der in Bornheim tätigen Arbeitnehmer*innen sind hochqualifiziert – deutlich unter dem Kreis- und Landesschnitt. Offenbar geht die dynamische Arbeitsplatzentwicklung an vielen Bornheimer*innen vorbei.

Daher streben wir an, künftig mehr Menschen eine wohnortnahe Tätigkeit zu ermöglichen. Dazu darf sich Wirtschaftsförderung nicht allein auf Flächenverkauf und Ansiedlung konzentrieren. In Großstädten sind Einrichtungen wie CO-Working-Spaces oder Gründerzentren eine Selbstverständlichkeit. Digitale und agile Arbeitsformen prägen die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts. Bornheim muss sich diesen Trends gegenüber offen zeigt, um das Potenzial seiner klugen Köpfe voll zu nutzen.

Potenzial 4: Einbettung in die Wissensregion Rheinland

Viele Regionen in Deutschland beziehen ihre Innovationskraft und wirtschaftliche Stärke aus Clustern – aus regionalen Netzwerken von Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Bornheim befindet sich in einer hierfür vorteilhaften Lage zwischen zwei urbanen Zentren und diversen Hochschulstandorten, nutzt diese aber nicht strategisch zur wirtschaftlichen Entwicklung. Neue technologische Entwicklungen gehen so an unserer Wirtschaft vorbei. Wichtig wäre es einerseits, wissensintensive Neugründungen nach Bornheim zu holen, andererseits auch Kooperationen der bestehenden Unternehmen untereinander sowie mit den Hochschulen und der Wirtschaft in der Region anzuregen. Zwar ist das Thema Hochschulstandort Bornheim schon adressiert. Jedoch ist zu bedenken, ob einer Erweiterung der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung die gewünschten Impulse für wirtschaftliche Innovationen setzen kann. Viel wichtiger wäre es, sich stärker im Rahmen regionaler Initiativen wie dem Netzwerk Wissenschaftsregion Bonn oder dem IT-Forum Bonn / Rhein-Sieg einzubringen.

Potenzial 5: Energiewende

Bornheim hat ein beachtliches ungenutztes Potenzial im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der GRÜNEN-Fraktion im Landtag offenbart: Bornheim nutzt lediglich 6,1 Prozent seines Potenzials im Bereich Photovoltaik auf Dachanlagen. Bei Photovoltaik auf Freiflächen und der Windenergie werden keine der potenziellen Flächen genutzt. Ähnlich sieht es im gesamten Rhein-Sieg-Kreis aus. Dabei könnte sich hier ein stärkeres Engagement auch für die regionale Wirtschaft bezahlt machen: Die zahlreichen Handwerksbetriebe Bornheims würden durch einen Ausbau profitieren.
Auch im Bereich Wasserstoff gibt es ungenutzte Chancen: Kürzlich zeichnete das Land NRW drei Modellregionen für Wasserstoffmobilität aus, unter anderem auch das Rheinland. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft fällt Wasserstoff als industrielles Nebenprodukt an. Andere Gemeinden haben dieses Potenzial längst erkannt und die Initiative „Wasserstoff Rheinland“ gegründet. Um das Potenzial dieses Energieträgers zu nutzen, sollte sich Bornheim aktiv beteiligen.

Fazit: Bornheim kann und soll mehr Gestaltungswillen bei der Entwicklung zum attraktiven, zukunftsorientierten Wirtschaftsstandort zeigen. Dazu gehört für die GRÜNEN in Bornheim:

  • Wichtige Trends nicht zu verschlafen. Die digitale Transformation und den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft aktiv zu nutzen für die bestehenden Unternehmen vor Ort ebenso wie durch Anwerbung neuer Unternehmen.
  • Innovationen anzuregen.
  • Mehr auf Synergien und Cluster sowie Unternehmen und Start-Ups mit innovativen und ökologieorientieren Produkten, Technologien und Dienstleistungen zu achten.
  • Vernetzte Produktion und moderne Arbeitsformen zu ermöglichen.
  • Jobs für Hochqualifizierte in Bornheim zu schaffen.
  • Vom Wohn- auch zum Wirtschaftsstandort zu werden.