Klimakrise, Artensterben und die Pandemie

Die Corona-Krise verstellt derzeit den Blick darauf, dass der Klimawandel und das Artensterben die größeren Probleme sind. Aber letztlich hängen beide Krisen zusammen. Deshalb haben wir jetzt die einmalige Chance umzusteuern, und unsere Wirtschaft zum Wohle aller Bürger auf den festen Boden der Nachhaltigkeit zu stellen. Umweltschutz ist dazu der entscheidende Schlüssel.

Die aktuelle Corona-Krise bedeutet tiefgreifende Veränderungen für jeden von uns. Sie verstärkt vorhandene Missstände, v.a. im sozialen Bereich und im Gesundheitssektor, und sie schafft zahllose neue Probleme. In irgendeiner Art und Weise ist jeder von uns davon betroffen. Seit März 2020 konzentrierte sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Eindämmung der Pandemie und den Schutz von Gesundheit und Leben, später zunehmend darauf, welche Maßnahmen zielführend und angemessen sind. Die düsteren wirtschaftlichen Prognosen, bis hin zu geopolitischen Verwerfungen, stellen uns vor eine epochale Herausforderung und wecken bei vielen Bürger*Innen den Wunsch nach einem Zurück zum status quo ante. Die unmittelbare Gefahr stellt alle anderen Sorgen in den Schatten. Wir sind im Krisenbewältigungsmodus.

Jedoch ist nicht die Pandemie das größte Problem, sondern der Klimawandel und der Verlust an Artenvielfalt. Der Sommer 2020 war der dritte Sommer in Folge mit überdurchschnittlich vielen Hitzetagen und deutlich zu wenig Regen. Wir sind längst mitten im Klimawandel. Das sehen wir bei einem Waldspaziergang an den vertrockneten Nadelbäumen und den massiven Kahlschlägen – und selbst die Laubbäume sind bereits massiv geschädigt.

Systemisch Denken und Zusammenhänge erkennen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina stellt zur Corona-Pandemie fest: „Die Vernichtung und Abnahme der Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen durch Landnutzungsänderungen und der Klimawandel tragen wesentlich zum Ausbruch von Epidemien und Pandemien bei.“ Das Vordringen der Menschen in unberührte Refugien und die Störung natürlicher Ökosysteme begünstigen die Übertragung von Infektionskrankheiten von Tieren auf Menschen. Der Schutz von Artenvielfalt und die Klimaziele von Paris 2015 sind kein Luxusproblem und auch keine Öko-Träumerei, sondern es steht die zukünftige Bewohnbarkeit des Planeten auf dem Spiel. Die Pandemie führt uns vor Augen, wie verwundbar wir sind. Artensterben und Klimawandel schreiten ungebremst weiter voran. Die Dramatik dieser Entwicklung entzieht sich aufgrund ihrer Bedeutung, Dynamik und Komplexität weitgehend gängigen Einordnungen. Komplexe Krisen erfordern eine differenzierte Betrachtung, um passende Lösungsvorschläge zu finden. In der Corona-bedingten Wirtschaftskrise sollten wir uns nicht durch ökonomische Not zu ökologischer Blindheit verleiten lassen. Panik ist kein guter Ratgeber. Der Corona-Lockdown ist eine einmalige Chance, das System zu überprüfen, um das zu erhalten, was uns erhält.

Wie nutzen wir diese Chance?

Was passiert in der Corona-Krise? CO2-Reduzierung und Kohleausstieg scheinen nicht mehr so dringend, Subventionen werden ohne ökologische Kriterien verteilt, Umweltschutzstandards werden gesenkt, Lobbyisten leisten erbitterten Widerstand gegen den Schutz des Trinkwassers vor Nitratbelastung, Konzerne fordern Steuermilliarden und wollen im selben Zuge Klimaschutzauflagen außer Kraft setzen.

Fazit: Da eine breite gesellschaftliche Diskussion um die soziale und ökologische Ausrichtung der Konjunkturprogramme nicht stattgefunden hat, können rückwärtsgewandte Interessengruppen die Corona-Krise nutzen, um ihre Partikularinteressen durchzusetzen.

Wirtschaft und Klimaschutz sind keine Gegensätze

Jeder weiß: Die Pandemie wird Veränderungen bringen. Wirtschaftsprogramme in dieser Größe wird es sehr lange nicht wieder geben. Wir stellen jetzt die Weichen. Späteres Umsteuern wird extrem schwierig werden. Wenn wir jetzt Wohlstand gegen Klima- und Umweltschutz aufrechnen, ist das ein grundlegender Denkfehler, dessen Folgen später kaum noch beseitigt werden können. Denn Umweltschutz dient der Gesundheit. Es wäre daher absurd, ausgerechnet während einer Gesundheitskrise den Umweltschutz aufzuweichen und klimaschädliche Technologien zu zementieren, nur um kurzfristig die Konjunktur anzuheizen.

Wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz sind keine Gegensätze. Der Klimawandel bedroht auch die Wirtschaft. Deshalb lohnt es sich, in zukunftsfähige Technologien und Wirtschaftszweige zu investieren. Aber wir tun das Gegenteil: In den letzten Jahren sind in der deutschen Windindustrie 40.000 zukunftsfähige Arbeitsplätze verloren gegangen.

Die Pandemie bietet uns die einmalige Chance, auch unser Agrarsystem gerechter und effizienter zu machen. Naturverträgliche Landwirtschaft, gesunde Lebensmittel, kürzere Lieferketten, sowie angemessene Preise für Landwirte und Verbraucher ermöglichen den Erhalt unserer Lebensgrundlagen.

Durch die Corona-Krise lernen Unternehmen und Beschäftigte gerade, Mobilität neu zu denken. Nutzen wir die Chance zum Ausbau von ÖPNV, Radwegenetz und Sharing-Dienstleistungen. Das sichert nicht nur Arbeitsplätze, das fördert auch die Gesundheit. 

Alternative Antriebe können durch staatliche Hilfen vorangebracht werden. Wir haben das Know-How, die wissenschaftlichen und technischen Strukturen und die Menschen dafür. 

Krisen sind Chancen

Die doppelte Krise – Corona und Klima – bietet die historische Chance stärker als bisher in Nachhaltigkeit zu investieren, um enorme Potenziale für Wirtschaft, Gesundheit und Umwelt freizusetzen, die ansonsten für viele Jahre verschüttet würden.

Wir wissen, dass Klima und Umwelt nicht nur auf internationaler Ebene geschützt werden müssen, sondern auch durch die Kommunalpolitik und durch das Handeln jedes Einzelnen. Wir GRÜNEN haben schon immer den Schutz unserer Lebensgrundlagen gefordert. Auf kommunaler Ebene können wir hier viel bewirken, besonders in den Bereichen Naturschutz, Landwirtschaft, Mobilität und Energie.

Für eine nachhaltige Zukunft wollen wir:

  • Gemeinsam mit Naturschutzverbänden, Landwirten und der Verwaltung ein übergreifendes Konzept zur Förderung der Biodiversität, zur Pflege des Stadtgrüns, zum Schutz der Insekten, der Bäume und des Waldes entwickeln.
  • Die bestehenden Schutzgebiete, die letzten Freiflächen und das „Grüne C“ schützen und erhalten, sowie Ausgleichsflächen, Naturwaldparzellen und Biotopverbünde ökologisch aufwerten.
  • Den Energiebedarf weitgehend durch lokale Erzeugung decken und planen dazu eine Kombination aus Windkraft, Photovoltaik, Geothermie, Biomasse und Stromturbinen im Rhein. Bürger*Innen sollen besser beraten werden. Wir wollen Bornheim bis 2050 klimaneutral machen.
  • Den ÖPNV ausbauen und die Takte von Bahnen und Bussen verdichten, sichere Radwege und Mobilitätsstationen bauen, Sharing-Modelle einrichten. 
  • Ein städtisches Wohnraum-Management einrichten. Wir werden Neubauprojekte ohne überzeugendes Mobilitätskonzept nicht mehr genehmigen.
  • Die Landwirtschaft ökologischer und nachhaltiger gestalten und unsere Landwirt*Innen dabei nach Kräften unterstützen.